Von Liebe, Freundschaft und anderen Dingen
Theaterproduktionen der DS-Kurse des LOG Bruchköbel aufgeführt
Ein dreiviertel Jahr lang arbeiten die Kurse „Darstellendes Spiel“ (DS) der Jahrgangsstufe 12 am Lichtenberg-Oberstufengymnasium auf diesen Tag hin: die Aufführung der im Unterricht erarbeiteten Theaterstücke. Kurz vor den Osterferien war es dann soweit. Gleich vier Stücke aus eigener Produktion konnten an einem nichtsdestotrotz kurzweiligen Theaterabend vor großem Publikum präsentiert werden.
Den Anfang bildete „Geister, die ich…“ des DS-Kurses unter der Leitung von Benjamin Baumann. Bereits der Titel des Stücks stellte den Bezug zu Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“ her. Eröffnet wurde dieser erste Beitrag von einem schwarz gekleideten, antik anmutenden Chor, der Teile des berühmten Werkes rezitierte. Es folgten im raschen Wechsel vier Episoden, die sich um Goethes Kernaussage („Die ich rief, die Geister/werd ich nun nicht los.“) bewegten: Zunächst versucht der junge Goethe in Weimar zwischen dem exaltierten Großherzog und aufständischen Bauern, die unter der Steuerlast leiden, zu vermitteln – allerdings erfolglos, sodass der Großherzog einer Revolte zum Opfer fällt. Die nächsten Episoden beschäftigten sich dann mit der Magie im engeren Sinne sowie den Gefahren ihrer unautorisierten Anwendung: ein Schüler, der einen Zauber anwendet, damit sich die Hausaufgaben von selbst erledigen, eine Magie-Prüfung, bei der sich eine Zauber-Schülerin unerlaubte Hilfe bei einem bereits disqualifizierten Mitschüler sucht, um eine arrogante Mitschülerin auszustechen und schließlich zwei Zauberlehrlinge, die sich, angestachelt durch einen dunklen Meister, gegenseitig umbringen.
Das folgende Stück, „Junggesellenabschied“, wurde durch den DS-Kurs von Sophie Söll auf die Bühne gebracht. Der knappe Titel enthält bereits das wesentliche Handlungselement. Die junge Linda steht kurz vor ihrer Hochzeit. Gezeigt werden im Wechsel Linda mit ihren Freundinnen sowie der Bräutigam mit seinen Kumpels beim Junggesell(inn)enabschied. Während die Damen in ihren angeregten Gesprächen zu der Schlussfolgerung gelangen: „typisch Männer!“, resümieren die trinkenden Freunde: „Frauen sind halt, wie sie sind!“. Linda zweifelt an ihrer Entscheidung, wohingegen die jungen Männer Streit mit dem Musiker Peter Taylor anfangen, der sich als Ex-Freund Lindas herausstellt. Peter macht Linda das Angebot, mit ihr nach London zu gehen, also die Hochzeit abzublasen. Während Linda mit Peter tanzen geht, versuchen die Freundinnen hektisch, die Hochzeit zu retten. Die Gesamtgruppe diskutiert schließlich auf der Bühne die Frage: „Wird Linda heiraten?“. Es kommt zur Abstimmung mit dem Ergebnis, dass Linda die Hochzeit absagen sollte. Wie diese sich letztlich entscheidet, bleibt allerdings offen.
Nach einer kurzen Pause ging es mit „Freundschaft“ weiter (Leitung: Natascha Seitz). Den Beginn bildeten hier einige Video-Interviews zur Bedeutung von Freundschaft, die von den Schülerinnen und Schülern des Kurses zuvor im LOG geführt wurden. Auch hier trat die Gesamtgruppe in Erscheinung und reflektierte, nachdenklich über die Bühne laufend, über den Begriff Freundschaft – doch für manche Figuren war dies nur „Blablabla!“, sodass folgerichtig die ‚Wissenschaft‘ helfen sollte. Mit Mitteln des dokumentarischen Theaters wurde eine Studie und eine Umfrage zum Thema sowie fortgesetzte Ausführungen eines gewissen Professor Emres herangezogen. Auch das Publikum wurde direkt einbezogen. In einer Szenencollage, deren roten Faden die Moderatorinnen und Prof. Emre mit Überleitungen, Fragen und Erläuterungen sponnen, wurde Freundschaft von vielen Seiten beleuchtet und auch die Gefahr der Pseudo-Freundschaften im Netz thematisiert: Vier Freundinnen befanden sich im Auto und begannen zu streiten. Erst die eingeschaltete Musik wirkt versöhnend, denn „mit den richtigen Leuten ist sogar ein Stau schön.“. Oder: Zwar werden häufig KI-Freundschaften angepriesen, doch verweisen reale Zahlen sowie ein Suizidfall auf die Zweifelhaftigkeit dieser Art von Freundschaft. Eine Gruppe von Freundinnen verpasst ihren Urlaubsflug, weil sie Solidarität mit einer chronisch verspäteten Mitreisenden zeigt und „alle für eine“ einstehen und zusammenhalten. Schließlich wird die Oberflächlichkeit gewisser Freundschaften anhand eines vermeintlich coolen Typs dargestellt, der plötzlich alleine dasteht und erkennen muss: Manchmal ist weniger mehr“. In einem eindrucksvollen Tableaux rufen die Spielerinnen und Spieler schließlich den Zuschauern Aussagen zu, die diese doch mal ihren Freunden sagen sollten, um ihre Wertschätzung auszudrücken, denn „ein Leben ohne Freundschaft ist kein erfülltes Leben“.
Der Kurs von Silke Weug präsentierte das letzte Stück des Abends. Der Titel „FrauenRECHTE“ machte dabei nicht nur wegen der Schreibweise neugierig. Das Stück begann mit einem kurzen Vortrag zum Thema Femizide sowie einigen Videoporträts realer Opfer. Auch bei diesem letzten Stück folgten einzelne Szenen bzw. Episoden: Eine Demonstrantin hält ein Schild in die Höhe, mit der Aufschrift: „Als Frauen mehr Rechte wollten, meinten sie keine Nazis!“. Ein Passant reagiert verständnislos und gereizt. Eine Frau wird von ihrem Mann wie ein Dienstmädchen behandelt und von ihm gedemütigt und beleidigt – bis sie sich schließlich, für den Ehemann völlig unerwartet, wehrt. Einer weiteren Frau wird von ihrem Ehemann verboten, auf den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin zu gehen. Hier muss erst ein Engel zur Hilfe eilen, um der Frau Kraft zu verleihen, sich mit ihrem Wunsch durchzusetzen. Den Abschluss bildet erneut die Demonstrantin, diesmal ohne Schild eher nachdenklich am Bühnenrand sitzend. Der Passant (jetzt Bekannter?) sitzt neben ihr und hört, zumindest dem Anschein nach, etwas bereitwilliger zu, während die Darstellerinnen und Darsteller aus den anderen Szenen schweigend im Hintergrund aufmarschieren. Nach langanhaltendem Applaus für einen gelungenen Theaterabend sowie Blumen für die Lehrkräfte konnten LOG-Schulleiterin Angela Kirchhoff sowie der stellvertretende Schulleiter, Marcus Thom, das gut unterhaltene und auch bewegte Publikum verabschieden.

Geister, die ich …

Geister, die ich …

Junggesellenabschied

Junggesellenabschied

Freundschaft

Freundschaft

FrauenRECHTE

