Realität und Illusion

Theaterinszenierung des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums
Die unterschiedlichen Wege der menschlichen Einbildungskraft – so könnte man den gemeinsamen thematischen Bezug der diesjährigen dreiteiligen Theaterinszenierung umschreiben, die von den Kursen ‚Darstellendes Spiel‘ der Jahrgangsstufe 12 des LOG unter der Leitung von Anastasia Drakopoulos, Benjamin Baumann und Sophie Söll dieser Tage im Bürgerhaus Bruchköbel aufgeführt wurde.
Den Auftakt bildete mit Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“ gleich ein Bühnenklassiker der Weltliteratur. In seinem letzten Stück zeigt Molière den hypochondrisch veranlagten Argan, der sich fest im Griff seines Arztes, Monsieur Purgon, befindet. Dieser verschreibt überflüssige Behandlungen und stellt dafür auch noch überhöhte Rechnungen aus. Nebenbei intrigiert er, indem er Argan einen ihm genehmen Schwiegersohn verschaffen will. Am Ende turbulenter Verwicklungen und durch das beherzte Eingreifen von Argans Bruder Béralde findet aber doch das richtige Paar zusammen. Argan selbst wird in einer Scheinzeremonie vermeintlich in die Ärzteschaft aufgenommen. So wird aus dem eingebildeten Kranken am Ende ein eingebildeter Arzt.
Das Spiel der Schülerinnen und Schüler zeichnete sich bei einer auf das Wesentliche reduzierten Bühnendekoration durch große Dynamik aus. Der Umstand, dass die Hauptrollen in regelmäßigen Abständen mit weiteren Darstellerinnen und Darstellern nachbesetzt wurden, sorgte hierbei zusätzlich für Abwechslung.
Nach der Pause folgte mit „Online“ eine Eigenproduktion der aufführenden Schülerinnen und Schüler. Mit selbst verfassten Dialogen setzten sich die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer in vier Episoden mit dem Thema Internet auseinander. In der Eröffnungsszene stand eine Gruppe Jugendlicher unbeweglich auf der Bühne und schaute stumm auf das Smartphone. Damit wurde gleich zu Beginn verdeutlicht, dass es im Stück neben Komik auch ernste Momente gibt, sich die Figuren nicht nur in klamaukhaften Situationen, sondern auch in Konflikten bewegen. Im Folgenden wurden vier Figuren in den einzelnen Episoden durch Monologe genauer vorgestellt: eine Bewerberin in einem Hotel, ein gemobbter Fußballspieler, ein überdrehter Internet-Coach sowie ein etwas dümmlicher Kleinganove.
Auch in dieser Inszenierung agierten die Darstellerinnen und Darsteller äußerst motiviert und mit viel Energie in der Umsetzung.
Den Abschluss bildete nach einer weiteren Pause mit „Reise in die Zeit“ erneut eine Eigenproduktion der mitwirkenden Schülerinnen und Schüler. Eher gelangweilt absolviert eine Schülergruppe einen Pflichtbesuch im Museum und stößt dabei auf einen seltsamen Gegenstand, der sich bei genauerer Betrachtung als Zeitmaschine entpuppt. Mehr ausversehen tritt die Gruppe sodann eine Zeitreise an und landet unversehens in den 80er, dann in den 60er und schließlich in den 70er Jahren, bevor sie schließlich wieder zurück in die Gegenwart findet.
Die Aufführung bestach durch Elemente des Tanztheaters, die geschickt in die Zeitreisen eingebaut waren und von den Darstellerinnen und Darstellern mit Bravour vorgeführt wurden. Für die Gegenwart stand hierbei eine Art ‚Handytanz‘. In den 60ern gab es einen ‚Tanzbattle‘ mit einem Rockabillytanz, den die Schülergruppe aus der Gegenwart mit einem HipHop beantwortete.
Das zahlreich im Bürgerhaus erschienene Publikum dankte den Aufführenden aller drei Inszenierungen für ihren professionellen und beeindruckenden Theaterabend mit lang anhaltendem Applaus. Für die Aufführenden und Kursleiterinnen und -leiter gab es Dankesworte und Blumen für ihren Einsatz.
J. Plaumann

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