Ethik-Kurse besuchen Gerichtsverhandlungen

Am Donnerstag, den 22.01.2026 besuchten die Ethik-Kurse von Frau Splanemann, Frau Kuhl und Frau Schimandl Verhandlungen des Land- und Amtsgerichts in Hanau, ergänzend zur aktuellen Unterrichtseinheit „Schuld und Strafe“. 

Die Kurse wurden in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Verhandlungen besuchten, diese befassten sich mit Totschlag, Gewaltdelikt und Nötigung. Das Feedback nach der Exkursion war in allen Kursen sehr positiv.

Wir drei haben den Prozess zum Totschlag besucht, angeklagt war ein 40- Jähriger, welcher seinen Mitbewohner erstochen haben soll. Aufgrund der Komplexität des Falles.  gab es mehrere Verhandlungstage. 

An diesem Verhandlungstag wurde als erstes der Tatort per digitalem Medium gezeigt, um Aussagen des Angeklagten und der Zeugen zu bestätigen oder zu widerlegen. Die blutigen Einblicke schockten viele und das Bild einer echten Leiche war für viele neu. Ein Schüler nahm die Bilder so wahr: „Unserem Kurs war vorher nicht so klar, dass wir sogar die Leiche sehen werden.“ Die Atmosphäre war unter den Besuchern gespannt und zwischendurch auch überrascht. „Diese Emotionslosigkeit des Angeklagten während des kompletten Prozesses hat mich irgendwie geschockt. Man konnte ihm keine Spur von Reue ansehen, vor allem durch das Tragen der Gesichtsmaske, die ganze Zeit“, berichtet eine Schülerin. 

Im Laufe des Tages wurden eine Zeugin und zwei Sachverständiger befragt. Die Zeugin war die Cousine des Opfers und berichtete von den Lebensumständen des Opfers. Sie wirkte anfangs sehr gefasst und sachlich. Später waren ihre Emotionalität und ihre Betroffenheit aber sehr zu spüren. „Irgendwie hatte ich so ein komisches Gefühl, als ich begriffen habe, dass die Angehörige gerade mit dem Mörder ihres Cousins in einem Raum sitzt“, sagt eine Schülerin. Des Weiteren trug ein Gerichtsmediziner die Ergebnisse der Obduktion vor, welche teilweise sehr brutal klangen. Hier ging es hauptsächlich um die Einstichstellen. Anschließend stellten Richter, Staatsanwältin und Verteidiger Fragen bezüglich der Hinweise zum Tatverlauf, die die Einstichstelle liefert. Die Verhandlung wurde hier sehr zäh und langwierig.

Der zweite Sachverständiger war ein forensischer Psychiater. „Er wirkte nicht wie ein typischer Doktor und wir dachten auch anfangs, dass er eher ein Zeuge ist, anstatt ein forensischer Psychiater“, gibt eine Schülerin zu. Insgesamt empfanden die meisten Schülerinnen und Schüler den Vortrag des forensischen Psychiaters am interessantesten. Vor allem durch sein authentisches Auftreten wirkte sein Vortrag sehr verständlich und er brachte, im Gegensatz zum Gerichtsmediziner, seine Untersuchungen klar auf den Punkt. 

Auch wenn die Verhandlung über sechs Stunden ging, empfanden der Großteil der Schülerinnen und Schüler die Verhandlung als sehr interessant und aufschlussreich. Vor allem: Wann sitzt man je nochmal in einem Totschlagsprozess?

Fiona Foltz, Henriette Ihling, Hannah Lasch

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