„Warum sollte man sich politisch engagieren, …?“ – Staatssekretär Christoph Degen diskutiert 90 Minuten mit Schülerinnen und Schülern am LOG

„…wenn so vieles frustriert?“ Diese Frage eines Schülers stand sinnbildlich für den Besuch des hessischen Staatssekretärs Christoph Degen am Lichtenberg-Oberstufengymnasium (LOG) in der vergangenen Woche. Degen besuchte die Leistungskurse Politik und Wirtschaft, um über die Arbeit in der Kommunalpolitik zu sprechen und in einer offenen Diskussionsrunde stellten Schülerinnen und Schüler darüber hinaus kritische Fragen zu Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und ihrer eigenen Zukunft.

Der Staatssekretär berichtete aus seiner Arbeit im Krisenstab und erklärte, wie politische Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden – etwa während der Corona-Pandemie oder angesichts des Kriegs in der Ukraine. Viele Schülerinnen und Schüler zeigten sich verunsichert: durch internationale Konflikte, steigende Preise, die Rentenfrage und die Sorge, ob es künftig genug sichere Arbeitsplätze geben wird.

Großes Interesse galt der Frage, was konkret für junge Menschen getan wird. Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Umweltschutz und Ausbildungs- sowie Studienbedingungen wurden intensiv diskutiert. Degen machte deutlich, dass gute Bildung eine zentrale Voraussetzung für Chancengleichheit und demokratische Teilhabe sei.

Besonders kritisch äußerten sich die Schülerinnen und Schüler zum Einfluss sozialer Medien. Falschinformationen, gezielte Stimmungsmache und politische Radikalisierung seien dort allgegenwärtig. Degen warnte davor, demokratiefeindliche Inhalte zu unterschätzen, und erklärte die Aufgaben des Verfassungsschutzes. Auch Lobbyismus und das Transparenzregister wurden thematisiert – mit der Forderung nach mehr Offenheit und Vertrauen in politische Entscheidungen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die aktuelle politische Lage. Die Stimmenverschiebung zwischen SPD und AfD, der Vertrauensverlust in etablierte Parteien und die Frage nach der Zukunft der Volksparteien beschäftigten viele Schülerinnen und Schüler. Degen sprach offen über Fehler, schlecht umgesetzte Ideen und die zunehmende Spaltung zwischen rechten und linken Lagern. Gleichzeitig machte der Staatssekretär Mut, sich politisch zu engagieren. Politisches Engagement lohne sich – selbst wenn Erfolge nicht sofort sichtbar seien. „Demokratie lebt davon, dass Menschen es trotzdem versuchen“, betonte er.

Zum Abschluss ging es ganz konkret um Möglichkeiten der politischen Beteiligung. Degen hob die Bedeutung der Kommunalpolitik hervor: Entscheidungen zu Kindergärten, Schulen, Wohnraum oder der Unterstützung Alleinerziehender würden vor Ort getroffen. Er erklärte Wahlverfahren wie Kumulieren und Panaschieren und ermutigte auch junge Menschen, sich kommunal zu engagieren – unabhängig davon, ob sie später auf Landes- oder Bundesebene tätig sein wollen.

Der Besuch zeigte: Politik ist für viele Schülerinnen und Schüler kein fernes Thema. Sie betrifft ihren Alltag – und sie beginnt dort, wo Fragen gestellt, Zweifel geäußert und Verantwortung übernommen werden.

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