Religionsunterricht in Fulda

Ein Artikel von Julia Galler.

Was habt ihr am 04.11.2017 gemacht? Ausgeschlafen? Etwas mit Freunden unternommen, oder der Familie? Oder doch den ganzen Tag gefaulenzt, vielleicht einen Film geschaut oder eine Serie?
Der Religionskurs von Frau Hillenbrand traf sich an diesem Tag um halb neun am Hanauer Hauptbahnhof zu einem Tagesausflug nach Fulda. Diese Tagesexkursion haben wir für Themen genutzt, welche wir im vorherigen Halbjahr nicht bearbeiten konnten. Diese wurden in Fulda entweder in Form kleiner Präsentationen von Schülern vorgetragen oder anhand von Bauwerken und Räumlichkeiten vor Ort erarbeitet (z.B. in Gruppen).
Obwohl die Hinfahrt eine Stunde dauerte, verging sie doch recht schnell. In Fulda angekommen führte uns Frau Hillenbrand über den Universitätsplatz zum Borgiasplatz und schon war es Zeit für die erste Präsentation: Der heilige Bonifatius, auch „Apostel der Deutschen“ genannt, ließ ein Kloster in Fulda um 744 n. Chr. errichten. Um welches sich später die Stadt Fulda gründete. Fulda ist die größte Stadt in Osthessen und auch ein politisches und kulturelles Zentrum. Darüber hinaus ist Fulda sehr sehenswert und einen Besuch wert.
Weiter ging es durch die Innenstadt in Richtung Fuldaer Dom. Gegenüber machten wir im Schlossgarten mit Blick auf den Dom halt. Dort bekamen wir ein Arbeitsblatt zur Einführung in die Ekklesiologie. Umgangssprachlich könnte man dies mit dem Wort „Kirchologie“ beschreiben. Wir haben uns also mit allem, was irgendwie mit „Kirche“ zu tun hat, beschäftigt. Dazu passte auch die nächste Präsentation von Jacky über die drei Grundvollzüge der Kirche: Diese sind Martyria (Bekenntnis des Glaubens), Leiturgia (Feier des Gedächtnisses an Jesus Christi) und Diakonia (Menschen in Not helfen). Diese drei Grundvollzüge zusammen verdeutlichen, was Kirche im Innersten möchte und wozu sie auf Erden existiert.
Gleich an den Vortrag von Jacky angeknüpft, hörten wir von Paula einen Vortrag zur Romanischen Baukunst am Beispiel der Michaelskirche Kirche in Fulda. Nach dem Romanischen Baustil baute man im 11. und 12. Jahrhundert schlichte Kirchen, die Festungen ähneln und „zusammengewürfelt“ ausschauen.
Nachdem wir das Gehörte nochmal mit dem verglichen haben, was wir in der Michaelskirche gesehen hatten, hat uns Julia den Gotischen Baustil am Beispiel des Kölner Doms vorgetragen. Erkennbar ist dieser an bunten großen Spitzbogenfenstern und steilen Dächern mit hohen Türmen; diesen Baustil gibt es in Fulda nicht – alle anderen Baustile konnten wir aber hautnah erleben.
Als Nächstes erklärte uns Frau Hillenbrand den Barocken Baustil anhand des Fuldaer Doms. Diese Bauart ist sehr pompös, sie sollte Jubel über Gott und seine Herrlichkeit, sowie Freude am Glauben ausdrücken. Deshalb findet man im Fuldaer Dom auch viele Gemälde, viel Gold und verzierte Säulen. Barocke Gebäude wurde von ca. 1650 bis 1775 in Deutschland gebaut. Im Fuldaer Dom liegt außerdem der Leichnam des heiligen Bonifatius begraben.

Nachdem wir uns den Dom angeschaut haben, ging es weiter zu einer modernen Kirche, der Kapelle des Priesterseminars. Anhand dieser Kirche erklärte uns Aaron, dass dieser Baustil keine immer gleich bleibenden, festgelegten Merkmale hat. Die Architekten besitzen eine individuelle Gestaltungsfreiheit, sollten aber auf die Wünsche der Kirchengemeinde eingehen. Moderne Kirchen sind meistens einfach gehalten und so gebaut, dass die Gemeinde nah am Altar sitzt. Was mich gleich zum nächsten Vortrag von Nikola bringt: Dieser erklärte uns nach der Mittagspause wesentliche Aspekte des Zweiten Vatikanischen Konzils, zu dem die Konzilsväter von 1962-1965 im Petersdom in Rom tagten. Bei diesem Konzil wurde v.a. die Gemeinde stärker betont und in den Gottesdienst aktiv miteinbezogen (z.B. durch Lektorendienste). Auch die Gottesdienstsprache änderte sich von Latein in die jeweilige Volkssprache.
Im Anschluss an diese Einheit haben wir in Kleingruppen gearbeitet: Eine Gruppe sollte anhand einer Zeichnung das Kirchenbild „Leib Christi“ darstellen: In diesem Fall kann die Kirche als „Organismus“ angesehen werden mit unterschiedlichen Organen. Alle unterstützen sich gegenseitig. Wenn ein Organ wegfallen würde, würde der ganze Organismus zusammenbrechen, d.h. jedes Kirchenmitglied ist wichtig.
Eine andere Gruppe stellte beispielsweise das Kirchenbild „Volk Gottes“ dar. Dieses Kirchenbild betont die Gleichheit aller Gläubigen. Der Papst hat genau dieselbe „Wertigkeit“ wie jeder andere Mensch, woraus sich ergibt, dass wir als Gemeinschaft Gott dienen.
Danach thematisierten wir noch, dass die Beziehung zwischen Gott und der kirchlichen Gemeinde auch in einem Kirchenbild namens „Braut Christi“ dargestellt werden kann. Dieses besagt, dass man die Beziehung zwischen Mensch und Gott wie eine Ehe ansehen kann. Nur wenn man etwas für diese Beziehung tut (sich treu bleibt, sich Zeit schenkt, etc.), bekommt man etwas zurück und kann somit glücklich leben und bestehen.
Zum Abschluss verbrachten wir eine Zeit in der Kapelle des Priesterseminars. Dort hatten wir die Chance in Ruhe den Tag für uns selber Revue passieren zu lassen oder einfach nur den Gedanken „freien Lauf“ zu lassen. Wer wollte, konnte auf ein Stück Papier ein Anliegen schreiben, das die im Seminar lebenden Priester mit in ihr Gebet aufnehmen werden. Nach dem Segen brachen wir zum Bahnhof auf und fuhren wieder Richtung Hanau.
Alles in allem kann ich sagen, dass der Ausflug sehr erfolgreich war. Wir haben viel gelernt und gleichzeitig habe ich selber auch viel Interessantes erfahren, was eine Bereicherung für mich selbst war. Ich habe mir auch Wissen angeeignet, das über den Unterricht hinausgeht.

 

Das könnte Dich auch interessieren...